Dr. Matthias Reinschmidt

Papageien, Tiere und ein Biologe

  

Wenn man die Möglichkeit hat eine Papageienanlage neu zu planen und diese in einem Garten unterbringen kann, so sollte man unbedingt überlegen, ob man nicht zwischen den einzelnen Gehegen sogenannte Pflanzsteifen einplant.

In der Zuchtanlage der Loro Parque Fundación wurden diese Pflanzstreifen zwischen allen Gehegen, die bis auf den Boden reichen, eingeplant und verwirklicht. Alle Gehege sind Einzelgehege, das heißt, sie sind nicht mit dem Nachbargehege aneinandergebaut; zwei Gehege haben immer einen 80 cm breiten Abstand an der Längsseite. Jeweils 15 cm entfallen dabei auf die beiden Fundamente der Volieren und weitere 50 cm breit ist ein dazwischen liegender Streifen. Hier wurde zwischen den Fundamenten der Gehege Platz ausgespart, der mit Muttererde gefüllt ist. Verschiedene Pflanzen wurden hier gepflanzt und mittlerweile bildet der Pflanzstreifen, mit seinen subtropischen Gewächsen eine grüne Wand als Abgrenzung zur Nachbarvoliere. Folgende Pflanzen kommen dabei in wechselnder Bepflanzung zum Einsatz:

  • Hibiscus (Hibiscus rosa-sinensis)
  • Schillerndes Nesselblatt (Acalypha wilkesiana)
  • Buchtiges Kupferblatt (Acalypha obovata)
  • Spitzblättrige Kupferblatt (Acalypha wilkesiana-Hybride)
  • Wandelröschen (Lantana camara)
  • Nickende Alpinie (Alpinia zerumbet)
  • Pampasgras (Cortaderia selloana)
  • Strahlenaralie (Schefflera arboricola)
  • Zyperngras (Cyperus spec.)
  • Bambus (Bambusa spec.)

 

Diese Pflanzen bieten einen Sichtschutz zu den Tieren der Nachbarvoliere. Weitere Vorteile der Pflanzen sind Windschutz, Lärmdämmung und Schatten, der gerade in den heißen und sonnigen Monaten des Jahres gerne von den Tieren aufgesucht wird. Des weiteren bieten die Pflanzen den Papageien auch Beschäftigungsmöglichkeiten, da sie in die Volieren durch das Gitter von außen hineinwachsen und dort abgenagt werden können. Es gibt Papageien und Sittiche, die alle einwachsenden Pflanzen abknabbern, andere bevorzugen nur einige Pflanzen und bei wieder anderen müssen ein- bis zweimal jährlich übergroß gewachsene Pflanzen zurückgeschnitten werden. Auf jeden Fall sind die in die Gehege wachsenden Pflanzen ein wichtiger Teil der Beschäftigung der Tiere geworden.

Auf Teneriffa herrscht ganzjährig Vegetationszeit und somit wachsen die Pflanzen auch ständig. Die Verhältnisse in Mitteleuropa sind in dieser Hinsicht ein wenig anders, dennoch kann man solche Pflanzstreifen auch unter anderen klimatischen Bedingungen anlegen, allerdings müssen dann auch die Pflanzen an das jeweilige Klima angepasst sein. Für Mitteleuropa eignen sich durchaus auch winterharte Bambusarten, Weiden, Kiefern (Pinus spec.), Heckenrosen (Rosa canina), Weißdorn (Crataegus oxyacantha) oder die Vogelbeere (Sorbus aucuparia). Auch wenn diese Pflanzen im Herbst und Winter ihre Ruhephasen haben und nicht wachsen, ist das Wachstum im Frühjahr und Sommer dafür um so größer. Da die Pflanzen außerhalb der Gehege gepflanzt sind und jeweils nur neue Äste und Triebe in die Voliere wachsen, können diese immer wieder von den Tieren abgenagt werden, ohne dass die Pflanze deshalb kaputt geht. Diese werden immer wieder von neuem austreiben und ausschlagen. Wichtig für den Pflanzstreifen ist auch, dass man eine regelmäßige Bewässerung gewährleistet.      
  
Eine Abgrenzung der Voliere durch einen dichten Pflanzsteifen vermitteln den Paaren jeweils einen ruhigen privaten Lebensraum, in dem sie sich, von grünen Pflanzen umgeben, sichtlich wohl fühlen, was für gute Zuchterfolge immer eine der Grundvoraussetzungen darstellt.