Dr. Matthias Reinschmidt

Papageien, Tiere und ein Biologe

  
Die Eingewöhnung neuer Vögel ist immer unter dem Aspekt zu sehen, dass neue Vögel zunächst immer einer Quarantäne unterzogen werden. Das heißt ein neues Tier sollte zunächste seperat untergebracht werden und erst nach Ablauf einer mindestens sechswöchigen Quarantäne in den Bestand gebracht werden.

Während dieser Zeit der Seperation sollte man verschiedene Tests auf die häufigsten Virus-Erkrankungen (Circo-Virus, Polyoma-Virus, PMV-Virus) sowie einen Clamysopila-Antigen und Antikörpertest (verantwortlich für die Papageienkrankheit, auch Psittakose genannt) durchführen. Desweiteren ist anzuraten eine parasitologische Untersuchung sowie eine bakteriologische Untersuchung eines Kloakenabstriches vornehmen zulassen. Sind alle Tests negativ, kann man die Neuerwerbung in seinen Vogelbestand übernehmen.

Diese Massnahmen sind jedem Papageienliebhaber dringend angeraten, da auch Neuankömmlinge, die keine offensichtichen Krankheitsanzeichen zeigen Überträger unterschiedlichster Krankheiten sein können und bei einem sofortigen Zusammenbringen mit dem eigenen Bestand ist für diesen höchste Gefahr geboten. Deshalb nochmals die dringende Bitte an alle verantwortungs bewusten Vogelliebhaber. Lassen sie jeden Neuankömmling gründlichst untersuchen, um das Risiko einer Krankheitsübertragung zu minimieren.     

Nach Abschluss der Quarantänezeit sollte der Vogel in seine, als Dauerunterbringung vorgesehene, Behausung gebracht werden. Hier sind zwei  Dinge zu bedenken. Ist der neue Vogel das einzige Tier beim neuen Besitzer, so erübrigt sich eine separate Quarantäneunterbringung. Man kann den Vogel dann gleich in die für ihn vorgesehene neue Behausung bringen und hier eingewöhnen.Kauft man aber einen Vogel und besitzt schon einige andere Tiere, ist das Tier auf jeden Fall zunächst separat, wie oben beschrieben unterzubringen. Eine Eingewöhnung in die endgültige Behausung erfolgt dann erst nach Ende der Quarantänezeit.

Die Eingewöhnung eines einzelnen Papageis in eine neue Umgebung ist meist unproblematisch. Der wichtigste Punkt ist der, dass der Vogel schnell die Futter- und Wasserquellen erkennt und diese auch nutzt. Es hat sich bewährt, auch einige halbe Äpfel und/oder Kolbenhirse, je nach Bedürfnissen der entsprechenden Vogelart, in der Höhe der Sitzstangen anzubringen, denn diese Futtermittel werden von den meisten Papageienarten gerne genommen und somit ist der Bann bald gebrochen. Falls der Vogel die Futterschüsseln nicht findet, kann man die Äpfel und Kolbenhirse nun immer näher in der Richtung der Schüsseln und letztendlich daneben anbringen, diese Methode wird jeden Vogel ans Futter bringen.Wird der neue Papagei im häuslichen Umfeld, beispielsweise im Wohnzimmer in einer Zimmervoliere gehalten, ist darauf zu achten, dass sich diese nicht direkt neben dem Fernsehgerät oder der lauten Stereoanlage befindet. Der Betrieb solcher Gräte kann das Wohlbefinden der Tiere doch erheblich beeinträchtigen.

In Zimmervolieren gehaltene Papageien sollten regelmäßig Freiflug im Zimmer erhalten, um ihre Flügel trainieren zu können und um damit auch ihre Fitness zu erhalten. Allerdings sollte diese Möglichkeit nicht sofort in den ersten Eingewöhnungstagen ermöglicht werden. Die ersten Tage sollte der neue Vogel Gelegenheit haben von seiner neuen Behausung aus seine Umgebung kennen zulernen. Die umfasst auch den Fütterungsrhytmus der immer gleich sein sollte. Wenn der Vogel genau weiss, wann und wo er immer sein Futter bekommt, wird er nach seinem ersten Freiflug auch selbst wieder in die Voliere zurückklettern, sobald er hungrig ist, um dort zu fressen. Die erste Freiflugstunde sollte daher erst nach einigen Tagen gewährt werden.
Neue Tiere benötigen immer auch etwas Zeit, um sich an seine neuen Betreuungspersonen zu gewöhnen. Es muss zwischen Vogel und Pfleger ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Dies braucht aber Zeit und geht nicht innerhalb weniger Tage.

Hat man nun aber einen zweiten Papageien zu einem schon vorhandenen Tier als Partner angeschafft, ist die Vergesellschaftung beider Tiere vorsichtig anzugehen. Am besten ist es in diesem Fall, die beiden Tiere auf Sichtkontakt in zwei direkt nebeneinander liegenden Gehegen zu setzen. Hier können sie den ersten Kontakt zueinander aufnehmen und erst nach ca. einer Woche Gewöhnungszeit bringt man die beiden Tiere auf „neutralem Boden" zusammen.
D. h. am besten in einem neu eingerichteten Gehege, das keines der Tiere kennt, damit keiner einen Heimvorteil hat. Je jünger die zu vergesellschaftenden Papageien sind, desto einfacher ist diese Angelegenheit und desto weniger Aggressionspotential haben die Tiere. Bei älteren Vögeln ist dies oft alles etwas schwieriger, aber nicht immer. Man kann auch Glück haben und zwei Tiere verstehen sich auf den ersten Blick.

Grundsätzlich kann man sagen, je kleiner die Tiere, desto einfacher ist meist die Verpaarung und desto weniger wird es zu Streitereien kommen. Je größer die Papageien sind, desto stärker haben die Tiere auch ihren eigenen Willen und Charakter und nicht immer sind die vom Menschen zur Verpaarung vorgesehenen Tieren, die Tiere, die zueinander passen. Dies wird dann meist recht schnell klar, wenn beispielsweise anstatt Sozialkontakten, wie gegenseitige Gefiederpflege auszutauschen, aggressives Verhalten gegeneinander gezeigt wird, wie beißen und hacken.Will man einen neuen Papagei in eine bereits bestehende artgleiche oder in eine artgemischte Gruppe integrieren, besteht die beste Möglichkeit einer problemlosen Integration, dann, wenn man das neue Tier in einen Käfig setzt und diesen innerhalb des Geheges der Gruppe anbringt, so hoch wie möglich, um dem neuen Tier den perfekten Überblick zu gewähren.
Nach ein paar Tagen kann man dann den „Neuen" in die Gruppe entlassen, muss aber zunächst immer sehr genau beobachten, wie die Gruppenmitglieder reagieren, um im Notfall eingreifen zu können. Wird der Neuling nicht attackiert, ist alles klar, gibt es aber ein Gruppenmitglied, das den neuen Vogel bedrängt, wird einfach dieser heraus gefangen und für ein paar Tage in den Käfig gesetzt, bis er sich beruhigt hat und der „Neue“ sich schon gut in der neuen Umgebung eingewöhnt hat. 
 
Spezialtipp 1: Wenn Sie einen neuen Vogel kaufen, lassen Sie sich vom Verkäufer noch Futter für die ersten Tage mitgeben, damit das Tier wenigstens in den ersten Tagen, in denen es sich an die neue Umgebung gewöhnen muss, noch auf das gewohnte Futter zurückgreifen kann und nicht zusätzlich neben der Umgebungsänderung auch eine Futterumstellung mitmachen muss.

Spezialtipp 2: Steht bei einer Paarzusammenführung nur eine Voliere zur Verfügung, sollte man den neuen Vogel in dieses Gehege einfliegen lassen, zuvor aber den schon vorhandenen Vogel heraus fangen und in einen kleinen Käfig setzen. Dieser Käfig wird entweder von außen direkt an das Gitter gehängt oder innerhalb der Voliere aufgehängt. Das neue Tier wird hier nun ein paar Tage Zeit haben, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen, bevor es mit dem schon aus dem Käfig bekannten vorgesehenen Partner zusammen kommt. Diese Methode bietet eine hohe Erfolgsquote der Verpaarung.

Spezialtipp 3: In der Eingewöhnungszeit neuer Vögel sollte man sich immer sehr viel Zeit zur Beobachtung nehmen, deshalb bewähren sich für solche Vorhaben meist die Wochenenden oder die Urlaubszeit, denn man sollte neue Tiere, die zu einem Partner oder in eine Gruppe gebracht werden, in der ersten Zeit nicht aus den Augen lassen, um im Falle einer Unverträglichkeit gleich eingreifen zu können.