Dr. Matthias Reinschmidt

Papageien, Tiere und ein Biologe

  

Ob in der privaten Haltung oder beim Züchter, immer wieder kommt es vor, dass Tiere zusammengebracht werden, seien dies neue Paare für die Zucht oder einfach nur ein Partner als Gesellschaftsvogel für ein bereits vorhandenes Tier.

Bei der Neuverpaarung von Tieren muss man wissen, dass je jünger die zur Verpaarung vorgesehenen Tiere sind, desto besser sind die Erfolgsaussichten einer erfolgreichen Verpaarung. Gerade bei Jungtieren ist noch wenig Aggression gegenüber anderen Tieren vorhanden, außerdem sind territoriale Auseinandersetzungen so gut wie nicht gegeben, da Jungtiere noch kein Revier zu verteidigen haben.

Sind die vorgesehenen Papageien allerdings schon geschlechtsreif, kann man bei einer Neuverpaarung auf Anhieb Glück haben, wenn es zwischen den beiden Tieren gleich „funkt“ und es sozusagen Liebe auf den ersten Blick ist, oder man hat Pech und die beiden neuen Tiere greifen sich sofort nach dem Zusammenbringen an und können sich dabei auch gegenseitig ernsthaft verletzten. Dann muss die Tiere sofort wieder trennen.

Nun gibt es meherere Möglichkeiten neue Vögel zusammenzubringen, dabei sollte man sich etwas zügeln und nicht zu sehr den Drang die Tiere sofort zusammen sehen zu wollen in den Vordergrund stellen. Das Ziel sollte es sein harmonierende Paare zu erhalten und dem ist alles unterzuordnen. Im folgenden möchte ich verschiedene Methoden kurz auf die jeweiligen Vor- und Nachteile hin untersuchen.

 

  1. Ein neuer artgleicher Vogel wird zu einem bereits vorhandenen Papagei gesetzt. Damit dringt der Neuling direkt in das Revier des „Alteingesenenen“ ein und es kann zur Verteidigung des eigenen Territoriums kommen und dabei können sich die Tiere auch ernsthaft verletzen. Gerade Amazonen reagieren bei solchen Verpaarungen oft äußerst aggressiv.
    Erfolgsaussichten der Verpaarung: mäßig bis schlecht

  2. Der alt eingesessene Vogel wird zusammen mit dem neuen Vogel gemeinsam in eine neue Voliere oder Behausung gelassen. Damit hat keiner der Tiere einen Standortvorteil. Für beide ist die Umgebung neu. Und zunächst steht die Erkundung der Umgebung im Vordergrund, um sich erstmal selbst zurecht zu finden, bevor an den Partner gedacht wird. Dadurch haben beide Tiere Zeit sich aneinander zu gewöhnen.
    Erfolgsaussichten der Verpaarung: gut

  3. Hat man für das neue Paar keine neue Voliere, wie in Punkt 2 beschrieben zur Verfügung, so sollte man den bereits vorhandenen Vogel herausfangen und in einen kleineren Käfig innerhalb der Voliere für ein paar Tage unterbringen, den neuen Vogel kann man in die Voliere entlassen. Dann kann dieser die neue Umgebung erkunden und der Standortvorteil des Alteingesessenen schwindet. Außerdem können die Vögel durch den Käfig bereits unverbindlichen Kontakt aufnehmen und sich kennenlernen. Diese Verpaarungsweise wird in erster Linie in der Loro Parque Fundacion angewandt, wobei meist das Weibchen in die Voliere entlassen wird und das Männchen zunächst einmal eine Woche im Abtrennkäfig sitzt, dabei können sich die Tiere ohne Risiko kennenlernen.
    Erfolgsaussichten der Verpaarung: gut bis sehr gut.

     
  4. Hat han die Möglichkeit in einer großen Flugvoliere gleich meherere Tiere einer Art zusammenzusetzen und damit die freie Partnerwahl zuzulassen, ist dies natürlich die beste Möglichkeit. Paare, die sich in der Gruppe gefunden haben, können dann in Zuchtvolieren zur paarweisen Haltung umgestzt werden.
    Erfolgsaussichten der Verpaarung: sehr gut

 

Egal für welche Verpaarungsmethode man sich entscheidet, wichtig ist sich Zeit zur Beobachtung zu nehmen, denn man weiss nie wie die Tiere reagieren. So kann man im Notfall immer helfen eingreifen. Sicherlich gibt es Arten, die sich völlig ohne Probleme verpaaren lassen, aber es gibt auch Arten, die ihren eigenen starken Charakter haben und Verpaarungen oftmals eine heikle Angelegenheit sind. Deshalb ist bei Neuverpaarungen immer Vorsicht geboten.

Will man Tiere aus bestehenden Verpaarungen umpaaren, sollte das nicht durch einfaches Umsetzen der Tiere zu anderen Partnern in anderen Volieren geschehen. Die Tiere sind vielleicht schon lange verpaart gewesen und es braucht Zeit sich an einen neuen Partner zu gewöhnen. Deshalb ist es besser zur Neuverpaarung vorgesehene Tiere zunächst ein paar Wochen einzeln zu halten. In dieser Zeit verarbeitet der Vogel die Trennung zum alten Partner und ist sehr viel offener für eine Neuverpaarung, als wenn man dies direkt aus einer festen Verpaarung heraus tut. Auch beim Verlust eines Tieres sollte man ein paar Wochen mit der Neuverpaarung des Überlebenden warten, damit steigen die Erfolgsaussichten einer neuen Beziehung.