Dr. Matthias Reinschmidt

Papageien, Tiere und ein Biologe

  
In der Familie der Papageien gibt es eine Unterfamilie, die dafür bekannt ist, sich in der Natur zu einem Großteil von Pollen und Nektar frischer Blüten zu ernähren – die Loris. In Menschenobhut erhalten diese Tiere meist ein Ersatzfutter, das aus einem Brei besteht sowie verschiedene Obstsorten. Der ausgewogene Futterbrei für Loris sollte neben allen lebensnotwendigen Bestandteilen auch Pollen enthalten, die heutzutage frisch oder in getrocknetem Zustand leicht erworben werden können. Fast jeder Züchter von Loris hat ein eigenes Spezialrezept für den Loribrei. Zwar bildet oft eines der zahlreichen im Handel angebotenen Fertigprodukte die Grundlage für den Brei, dennoch wird gerne noch das eine oder andere Vitamin- oder Mineralpulver oder sonstige Zusätze hinzugegeben. Dagegen ist auch gar nichts zu sagen, solange die Ernährung ausgewogen ist. Wenn man einen gesunden langlebigen Loribestand mit regelmäßigen Nachzuchten hat, ist man mit seiner Futtermischung sicherlich auf dem richtigen Weg.
 
Um den einen oder anderen Lorihalter und –züchter aber dennoch einmal vielleicht noch auf eine neue Idee zu bringen, möchte ich heute vorstellen, wie im Loro Parque der Speisezettel der Loris durch frische Blüten ergänzt wird. 
 
Regelmäßig erhalten alle Loris im Loro Parque frische Hibiskusblüten (Hibiscus rosa-sinesis) ein bekanntes Malvengewächs (Malvaceae). Die Hibiskussträucher wurden zwischen den Volieren als Sichtschutz gepflanzt und tragen auf Teneriffa ganzjährig frische Blüten. Es gibt viele Zuchtformen in verschiedenen Farben. Die Blüten werden einfach mit dem Fingernagel vorsichtig abgeknipst und dann gleich gefüttert. Jedes Paar erhält eine Blüte. Hibiskusblüten bieten in vielerlei Hinsicht eine gute Abwechslung in der Ernährung. Zum einen beinhalten sie frischen süßen Nektar im Blütenkelch, der von den Loris durch anknabbern desselben erarbeitet werden muss. Zum zweiten, bietet die Blüte frischen Pollen und zum dritten die Beschäftigung mit der Blüte, die oft auch als Spielobjekt benutzt wird und so lange bearbeitet wird, bis sie ganz zerfetzt ist. Ein Loripaar hat somit oftmals bis zu 30 Minuten Beschäftigung mit einer einzigen frischen Blüte.
 
Sicherlich wächst der ursprünglich aus den tropischen und subtopischen Ländern Südostasiens stammende Hibiskus in Mitteleuropa nur in den Sommermonaten üppig im Garten oder auf der Terrasse und im Winter muss, die meist als Kübelpflanze gepflegte Art, im Keller überwintern. Aber man kann die Tiere zumindest in den Sommermonaten mit dieser abwechslungsreichen Zusatzkost versorgen.
 
Allerdings sind die Loris nicht die einzigen Papageienarten, die gerne am süßen Nektar der Hibiskusblüten lecken. Auch die Fledermauspapageien (Loriculus) sowie die Schmalschnabelsittiche (Brotogeris) und Schwalbensittiche (Lathamus discolor) erhalten regelmäßig im Loro Parque die Blüten und stürzen sich regelrecht darauf, um diese zu geniesen.
 
Sicherlich wird auch die eine oder andere weitere Papageienart mit den Hibiskusblüten ihre Freude und Beschäftigung haben. Der Papageienhalter sollte einfach einmal ausprobieren, ob seine Papageien Interesse daran finden. Schaden kann die Hibiskusblüte jedenfalls nicht.
 
Im Gartenfachhandel werden regelmäßig Hibiskusbüsche oder auch Hochstämmchen der Pflanze angeboten. Beide sind gleichermaßen geeignet. Sie sollten jedoch sichergehen, dass diese Pflanzen nicht mit Insektiziden gespritzt oder mit Kunstdünger behandelt sind. Pflegen sie die Pflanzen erst einige Wochen im eigenen Garten bevor sie die ersten Blüten verfüttern.  
 
Als weitere Pflanzen werden den Loris im Loro Parque die Blüten des Schönfaden (Callistemon citrinus) ein Strauch der aus Australien stammt und zu den Myrtengewächsen (Myrtaceae) gehört gefüttert sowie die Blüten des Löwenzahn (Taraxacum officinale) eine in der Vogelhaltung gut bekannte Futterpflanze. Allerdings sind beide Blüten Saisonblüher und nicht ganzjährig verfügbar.  
 
Es wäre interessant, wenn dieser Artikel weitere Papageienhalter anregen würde, über ihre Erfahrung von Blütenfütterung zu berichten, denn dies ist ein riesiges bisher in der Papageienhaltung noch wenig erschlossenes Feld der Papageienernährung.