Dr. Matthias Reinschmidt

Papageien, Tiere und ein Biologe

  
Gründe für die Handaufzucht
Die Gründe für die Handaufzucht sind sehr vielfältig.
Wichtigster und häufigster Grund ist das nichtfüttern der Jungvögel durch die Elterntiere. Hier
liegen die Ursachen häufig im Dunkeln. Unerfahrenheit der Zuchttiere oder Störungen von
außerhalb sind die Hauptgründe für eine solche Fehlleistung.
 
 
Es gibt aber auch Paare die ihre Jungtiere, die aus unerklärlichen Gründen töten oder
verstümmeln, z.B. durch Abbiß der Zehen bis hin zu Flügeln oder ganzen Beinen.
Wieder andere Elterntiere rupfen die Jungvögel so stark, daß ihnen kaum noch eine Feder
bleibt.
 
Es gibt aber auch Züchter, die die Jungtiere direkt nach dem Schlupf den Eltern wegnehmen,
damit diese nochmals ein Nachgelege produzieren. Andere entfernen die Küken nach einigen
Tagen oder auch Wochen.
Bei großen Gelegen kann es vorkommen, daß das jüngste oder die jüngsten Küken nicht
genügend Futter abbekommen. Um diese vor dem Hungertod zu retten ist auch hier eine
Handaufzucht vielversprechend.

Aufzuchtsboxen
Unter einer Aufzuchtsbox versteht man ein Behältnis in dem die Temperatur und die
Luftfeuchtigkeit so regeln kann, daß man je nach Alter der Küken die optimalen Bedingungen
für deren Aufzucht schaffen kann.
 
Der Vogelzubehörmarkt bietet die unterschiedlichsten Modell für jeden Geldbeutel an.

Das einfachste Modell einer Wärmeeinrichtung für die Handaufzucht junger Papageien ist ein
Wärmedunkelstrahler, wie er auch für die Aufzucht von Hühnerküken verwendet wird. Die
Temperatur wird durch den Abstand zum in einer Schüssel liegenden Jungvogel geregelt. Die
Methode ist die einfachste, aber auch die unsicherste, da das Jungtier nur in einer Schüssel
liegt und nicht zusätzlich durch eine geschlossene Box geschützt ist, so, daß äußere Einflüsse
nie ausgeschlossen werden können.
 
Spezielle Wärmeboxen gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen von der einfachen
Holzkiste mit Heizspirale bis zur digital gesteuerten voll abwaschbaren Kunststoffwärmebox.
 
Tip: Achten Sie beim Kauf einer Wärmebox auf ein Heizsystem, das die Box gleichmäßig
erwärmt sowie auf ein gutes Belüftungssystem, damit eine regelmäßige Frischluftzufuhr
gewährleistet ist.

Unterbringung der Küken in der Aufzuchtbox (Einstreu)
Die geeignetste Unterbringung der Küken in der Aufzuchtbox sind Plastikschüsseln. Diese
sollte man in verschiedenen Größen und in genügender Anzahl vorrätig haben. Zu achten ist
bei diesen Behältnissen, daß sie keine scharfen Kanten haben, an denen sich die Jungvögel
verletzen könnten. Ecken in denen sich Schmutz festsetzen kann sollten die Schüsseln
ebenfalls nicht haben. Runde Schüsseln sind am leichtesten sauber zu halten und deshalb
empfehlenswert.

Frisch geschlüpfte Küken sollte man zur besseren Beobachtung zunächst einzeln
unterbringen. Dazu sollte man eine Schüsselgröße wählen bei der sich das Küken noch
bequem auf dem Boden hinlegen kann, ohne eingeengt zu sein. Die Schüsselgröße muß sich
dem Wachstum des jungen Vogels natürlich anpassen.
 
Sind nach zwei Tagen Beobachtung keine Komplikationen bei einem frisch geschlüpften
Küken aufgetreten, sollte man die Tiere einer Brut zusammenlegen. Man wähle dann natürlich
auch ein entsprechend großes Gefäß.
 
Die Schüsseln sollte man zumindest in den ersten beiden Lebenswochen der Küken mit
saugfähigen Küchenpapier auslegen. Nach jeder Fütterung sollte man das Papier erneuen,
damit die Küken sauber bleiben, gleichzeitig kann man an der Kotmenge und deren
Konsistenz sehen, ob die Verdauung gut funktioniert.
 
Man kann die Methode mit dem saugfähigen Papier solange fortsetzen solange die Küken sich
in der Schüssel aufhalten, da aber nach ca. 14 Lebenstagen das Kotaufkommen derart steigt,
daß der Papierverbrauch enorm wird, ist es ratsam die Einstreu in den Schüsseln zu ändern.
 
In der Praxis werden hier nun die unterschiedlichsten Einstreuarten verwendet. Sie sollen nun
im einzelnen mit ihren Vor- und Nachteilen aufgezeigt werden, damit sich der Leser das für
seine Zwecke geeignetste Einstreu auswählen kann.
 
Sägemehl
Vorteile: gute Saugfähigkeit, muß nicht nach jeder Fütterung gewechselt werden
Nachteile: verstopfen leicht die Atemwege

Hobelspäne
Vorteile: gute Saugfähigkeit, muß nicht nach jeder Fütterung gewechselt werden
Nachteile: werden oftmals von den Küken aufgenommen – dadurch können
Kropfverstopfungen entstehen
 
Saugfähiges Papier
Vorteile: gute Saugfähigkeit
Nachteile: hoher Verbrauch, muß meist nach jeder Fütterung gewechselt werden
 
Zeitungspapier aus dem Reißwolf
Vorteile: gute Saugffähigkeit, muß nicht nach jeder Fütterung gewechselt werden
Nachteile: Druckschwärze kann abfärben, das Papier kann sich um die Gliedmaßen schnüren
und diese bei nicht rechtzeitigem erkennen abbinden – Absterben und Verlust der
abgebundenen Gliedmaßen droht
 
Maisgranulat
Vorteile: sehr gute Saugfähigkeit, extra als Kükeneinstreu hergestellt, bei Aufnahme durch die
Küken, passiert nichts, da das Granulat ohne Schaden wieder ausgeschieden wird
Nachteile: kann mit Pilzen belastet sein
Vorteile: gute Saugfähigkeit
Nachteile: müssen oft gewechselt werden damit die Jungtiere sauber bleiben
 
Kunststoffgitter
Vorteile: Jungtiere bleiben sauber, Kot fällt durch das Gitter auf ausgelegtes Zeitungspapier
Nachteile: Jungtiere liegen nicht weich, deshalb erst ab einem Alter von ca. vier Wochen
empfehlenswert
 
 
Temperaturen in der Aufzuchtsbox
Die Jungtiere schlüpfen bei einer Bruttemperatur von etwa 37,2°C. Bei dieser Temperatur
können sie ohne weiteres auch noch während der ersten Lebenswoche gehalten werden. Es
gibt Züchter die die Schlüpflinge aus dem Brutapparat mit ca. 37° C in die Wärmebox mit
35°C überführen. Diese Temperaturabsenkung liegt noch im Rahmen, sollte aber auf keinen
Fall unterschritten werden. Auch Temperaturen über 37°C sind auf jeden Fall zu vermeiden,
da sie den Küken nicht zuträglich sind. Mit zunehmendem Alter kann man schrittweise die
Temperaturen in der Wärmebox absenken, so daß man zum Zeitpunkt der kompletten
Befiederung der Jungvögel Zimmertemperatur erreicht hat.
 
Jammernde, schlappe oder unnormal unruhige Küken können ein Anzeichen für zu hohe oder
zu niedere Temperaturen sein. Eine kleine Veränderung am Temperaturregler können das
Befinden der Küken oftmals entscheidend ändern.
 
Tip: 1 Wird ein Küken einzeln aufgezogen hat es keine Nestgeschwister die es zusätzlich
wärmen es sollte daher nur sehr vorsichtig eine Temperaturabsenkung vorgenommen werden.
 
Tip: 2 Hält man ein noch nicht befiedertes Küken an die eigene Wangen, sollte es sich immer
warm anfühlen. Fühlt es sich eher kühl an, ist die Temperatur im Aufzuchtskasten zu niedrig
eingestellt.
 
Luftfeuchtigkeit in der Aufzuchtsbox
Der Luftfeuchtigkeit in der Aufzuchtbox sollte man durchaus gesteigerte Aufmerksamkeit
entgegen bringen, da sie erheblich zum Wohlbefinden der Jungtiere beiträgt.
 
Eine Luftfeuchtigkeit in der Wärmebox unter 30% birgt die Gefahr der Austrocknung der
Schleimhäute in sich außerdem kann bei Aras (Ara) und Edelpapageien (Eclectus) das Toe-
Syndrome auftreten (siehe dort).
 
Liegt die Luftfeuchtigkeit über 70%, kann den Küken bei hohen Temperaturen das atmen
schwer fallen, sie wirken dann oft schlapp.
 
Im Loro Parque hat sich eine Luftfeuchtigkeit in der Wärmebox, während der Aufzucht
zwischen 45% und 55% als problemlos herausgestellt.
 
Tip: Schält sich die Haut der Küken, ist die Luftfeuchtigkeit eindeutig zu niedrig, man sollte
diese dann auf über 40 % erhöhen. Es bleiben dann keine Schäden für die Küken zurück.
 
Beleuchtung der Aufzuchtsbox
Die meisten Aufzuchtboxen bestehen aus beschichteten Holzplatten oder
lichtundurchlässigem Kunststoff und sind nur an ihrer Vorderseite mit Klarsichtscheiben
versehen. Deshalb sind diese Boxen in der Regel auch mit einer Lampe ausgerüstet, die von
außen zur Kontrolle des Geschehens in der Box angeschaltet werden kann. Dies sollte jedoch
nur zur Kontrolle geschehen und keine Dauerbeleuchtung sein.
 
Es gibt aber auch Aufzuchtboxen amerikanischer Herstellung, die ganz aus lichtdurchlässigen
Klarsichtscheiben hergestellt sind, und die das volle Tageslicht durchlassen. In diesem Fall
sollte man zumindest in den ersten Lebenswochen der Küken die Box mit einem Handtuch
abdecken, um den Küken das Gefühl der Geborgenheit geben zu können. Verdeutlicht man
sich die natürliche Brutsituation der Papageien in ihren natürlichen Lebensräumen, in denen
sie oft tiefe dunkle Baumhöhlen oder Felsspalten zur Aufzucht der Jungtiere auswählen, wird
die Abdunkelungsaktion der Nisthöhle verständlich.
 
Erstversorgung geschlüpfter Küken
Das frisch geschlüpfte Papageienküken sollte man zunächst rein optisch nach folgenden
Gesichtspunkten auf die Gesundheit hin überprüfen:
  • Ist der Dotter ganz eingezogen
  • Ist der Bauchnabel ganz zu
  • Hat das Küken keine äußere Verletzungen
Sind alle Fragen mit ja beantwortet, sollte man die Nabelregion mit einem Tropfen Jodtinktur
desinfizieren und dann das Küken in eine mit saugfähigem Küchenpapier ausgelegte
Plastikschüssel legen, die dann in die vorbereitete, auf Temperatur gebrachte Wärmebox
gestellt wird.
 
Identifizierung der Jungvögel
Um ein individuelles Erkennen mehrere Jungtiere zu ermöglichen ist die Markierung der
einzelnen Tiere notwendig. Wie wieter ober schon erwähnt sollte man frisch geschlüpfte
Küken zunächst zwei Tage zur besseren Beobachtung alleine unterbringen. Danach ist es aber
durchaus ratsam die Jungtiere eines Geleges zusammenzusetzen. Da aber Jungvögel im Alter
von zwei tagen noch nicht beringt werden können, sollte man sich ein anderes
Markierungssystem einfallen lassen. Der Autor verwendet zu diesem Zweck verschieden
farbene Filsstifte, mit denen einige Flaumfedern der Küken einfach gekennzeichte werden.
Damit lassen sich die Jungvögel durchaus solange unterscheiden bis sie beispielsweise im
Alter von ca. 16-18 Tagen (bei einer Amazone) beringt werden können.
 
Die Beringung mit geschlossenen Ringen ist eine Möglichkeit der individuellen Markierung
der Jungvögel.
 
Eine weitere Möglichkeit der Kennzeichung ist die Implantierung eines Transponders
(Mikrochips). Diese Maßnahme ist allerdings von einem erfahrenen Tierarzt auszuführen.
Wenn der Papageienzüchter zwar seine Vögel mit Transpondern versehen läßt, aber, wie
schon oft in der Praxis erlebt, keine Ablesegerät besitzt, ist diese Maßnahme fast ohne
jeglichen praktischen Nutzen.
 
Fütterung der Küken
Bevor man sich zu einer Handaufzucht von Papageien entschließt, sollte man genau wissen
welch enormen Arbeitsaufwand man sich damit auflädt. Die Zeitspanne vom Schlupf bis zur
völligen Selbstständigkeit kann je nach Papageienart zwischen fünf Wochen bei einem
Wellensittich (Melopsittacus undulatus) und sieben bis acht Monaten bei einem Hyazinthara (
Anodorhynchus hyacinthinus) liegen. In dieser Zeit ist man ständig gefordert, man muß die
Fütterungszeiten und die Anzahl der Fütterungen genau einhalten, man kann nicht einfach,
wenn ein Familienfest oder Urlaub ins Haus steht heute einfach mal nicht füttern. Die
Kontinuität der Betreuung während der Aufzuchtphase macht einen Großteil des Erfolges aus.
 
Futtermischungen und wichtige Inhaltsstoffe (Protein, Calcium, Lactobazillen)
Als Mitte der 90er Jahre die ersten Handaufzuchtsfuttermischungen für Papageien auf den
deutschen Markt kamen revolulionierte dies schon ein wenig die Handaufzucht von
Papageien. Hatte zuvor noch jeder Züchter sein eigenes Geheimrezept, dem er dies oder jenes
Präparat zuführte oder nicht. Glückte oftmals eine Handaufzucht mit der Mischung des einen
Züchters, mit der gleichen Mischung hatte ein anderer wiederum Pech, gab es nun
Fertigfuttermischungen, denen man laut Hersteller nichts mehr zuführen mußte, ja nicht
einmal durfte, um nicht das Gleichgewicht der Mischung durcheinander zu bringen.
 
Tatsächlich klappte die Handaufzucht mit diesen Fertigfuttermischungen, die vor allem aus
Amerika stammen meistens problemlos. Die Mischungen wurden zuvor in großen
Zuchtstationen ausprobiert und den Bedürfnissen der Papageien angepaßt. Die Firmen die die
Futtermischungen selbst herstellen unterhalten hierzu große Zuchtstationen in denen
Wissenschaftler arbeiten, um die optimalen Mischungen für die Bedürfnisse der einzelnen
Arten auszutesten. Der Loro Parque verwendet das Nutri-Bird Aufzuchtfutter der Fa. Versele-
Laga, mit dem sehr gute Ergebnisse erzielt wurden. Aus diesem Grund empfiehlt der Autor
durchaus sich für eine fertige Aufzuchtfuttermischung für Papageien zu entscheiden, sie
auszuprobieren und wenn die Aufzucht der Jungtiere problemlos gelingt auch dabei zu
bleiben. Ständiges Ausprobieren und Experimentieren schaden eher den Vögeln als es
zuträglich ist und man hat langfristig bei ständigen Änderungen keine
Vergleichsmöglichkeiten.
 
Methoden der Fütterung
Es gibt unterschiedliche Methoden der Fütterung der Jungtiere, im folgenden sollen die Vorund
die Nachteile der jeweiligen Methode dargestellt werden:
 
Fütterung mit dem Löffel (das Futter wird mit einem nach oben gebogenen Löffel dem
Jungtier direkt an den Schnabel gereicht)
Vorteile: der Vogel muß das Futter durch aktives Rütteln am Löffel aufnehmen, kommt der
Natürlichen Fütterung durch die Eltern am nächsten
Nachteile: ungeübte Pfleger verschmutzen den Jungvogel durch herabtropfendes Futter oft
stark, Fütterrung dauert relativ lange, Futtermenge nicht genau meßbar
 
Fütterung mit der Futterspritze (das Futter wird durch die Spritze direkt in den Schnabel des
Vogels gespritzt)
Vorteile: der Vogel muß das Futter aktiv herunterschlucken, relativ schnelle
Fütterungsmethode, man kann die Futtermenge genau bemessen, einfachste
Fütterungsmethode
Nachteile: grobe Futterstoffe verstopfen oftmals die Spitze
 
Fütterung mit der Kropfsonde oder –schlauch (das Futter wird über eine Sonde (Schlauch) die
auf eine Futterspritze gesteckt ist, direkt in den Kropf gespritzt
Vorteile: sehr schnelle Fütterungsmethode, Futtermenge kann genau berechnet werden
Nachteile: die Kropfsonde muß vom Schnabel aus durch die Speiseröhre in den Kropf geführt
werden, sehr leicht kann die Sonde bei ungeübten Pflegern dabei auch in die Luftröhre
gelangen, ein Einspritzen des Futters hätte den sofortigen Erstickungstod zur Folge, weiterhin
braucht der Vogel bei dieser Fütterungsmethode keine aktiven Schluckbewegungen
vorzunehmen, da er das Futter direkt in den Kropf gespritzt bekommt, unnatürlichtse
Fütterungsweise
 
Futterzubereitung
Die meisten Fertigfuttermischungen, die heute auf dem Markt sind müssen lediglich mit
Wasser angerührt werden und sind dann sofort an die Küken verabreichbar. Es hat sich
bewährt zunächst die benötigte Futtermenge in ein Glas oder eine Tasse zu schütten und dann
in der entsprechend auf der Packung angegebenen Wassermenge aufzulösen.
 
Da die Temperatur des Futters, das die Küken bekommen, der Körpertemperatur der Altvögel
einigermaßen entsprechen sollte, um eine gute Futteraufnahme zu gewährleisten, muß diese
etwa zwischen 38° C und 40° C liegen. Bei zu hohen Temperaturen besteht die Gefahr einer
Kropfverbrennung (siehe dazu Kapitel Kropfverbrennungen), bei zu niederen Temperaturen
kann es zu Verdauungsstörungen kommen. Wehrt ein Küken bei der Fütterung das Futter
unter Verdrehen des Kopfes oder Ausspuken die Futtergabe ab, kann dies oftmals an der
falschen Temperatur (zu hoch oder zu niedrig) liegen.
 
Man sollte das Futter deshalb mit genau temperiertem Wasser anrühren, das ruhig ein paar
Grad wärmer sein kann, da durch das Anrühren das Wasser sehr schnell ein paar Grad
Temperatur verliert. Gute Dienste bei der Überprüfung der Temperatur kann ein digitales
Fieberthermometer leisten, das sehr schnell die entsprechende Temperatur anzeigt. Ist das
Futter zu warm läßt man es einfach noch eine kurze Zeit abkühlen, bis die gewünschte
Temperatur erreicht ist. Ist das Futter zu kalt geworden leistet ein warmes Wasserbad des
Glases oder der Tasse in dem sich das Futter befindet gute Dienste. Hat man mehrere Vögel
gleichzeitig zu füttern, empfiehlt sich sowieso das Futterbehältnis in ein Warmwasserbad zu
stellen um ein Auskühlen zu verhindern.
 
Tipp: 1. Wer das Futter mit Hilfe eines Mikrowellenherdes erwärmt sollte das erwärmte Futter
sehr gut umrühren, da sich das Futter innerhalb des Glases unterschiedlich erwärmen kann
und sich unter Umständen sehr heiße Punkte bilden können, die dann ungewollt zu
Kropfverbrennungen der Jungvögel führen können.
 
Tipp: 2. Wer das Futter mit heißem Wasser anrührt, kann sich dieses einmal am Tag
erwärmen und dann in eine Thermoskanne abfüllen, dadurch spart man Zeit und
Energiekosten.
 
Die erste Fütterung
Sind die Küken geschlüpft läßt man sie ca. zwei bis drei Stunden ausruhen und abtrocknen,
bevor man sie das erste Mal füttert. Diese erste Fütterung sollte aus einem sehr dünnen
Futterbrei bestehen und auch nur etwa 5 % des Körpergewichtes ausmachen. Hat das Küken
dieses erste Futter nach zwei Stunden gut verdaut und den Kropf ganz geleert, kann man zur
normalen Futtermenge von ca. 10 % des Körpergewichtes pro Fütterung übergehen.
 
Ein Nesthocker hat einen kleineren Dottervorrat als ein Nestflüchter, dessen Dotter bis zu
zwei Tagen Nahrungsreserven bereithält. Aus diesem Grund hält der Autor nichts davon
frisch geschlüpfte Papageienküken die ersten 24 Stunden nicht zu füttern, wie es noch in
älterer Literatur probagiert wird. Videoaufnahmen im Nistkasten von Graf (mündliche
Mitteilung) beweisen, daß Blaustirnamazonen (Amazona aestiva) ihre frisch geschlüpften
Küken schon wenige Minuten nach dem Schlupf erstmals fütterten.
 
Anzahl und Frequenz der Fütterungen
Die Anzahl der Fütterungen hängt entscheidend vom Alter der Küken und von der Menge des
verabreichten Futters ab. Je älter die Jungtiere werden desto weniger Fütterungen benötigen
sie.
 
Frisch geschlüpfte Jungtiere werden in den ersten beiden Lebenstagen zwischen acht und
zehnmal täglich gefüttert. Normalerweise kann man sagen alle zwei Stunden eine Fütterung
für frisch geschlüpfte Küken. Entscheidend für den Beginn der nächsten Fütterung ist die
Leerung des Kropfes, dieser sollte in der Regel vor einer neuen Futtergabe leer sein,
zumindest aber nicht mehr wie 20 % der letzten Futtergabe noch enthalten. Da ansonsten die
Gefahr einer Versauerung des Futters besteht.
 
Ein weiterer wichtiger Punkt der die Schnelligkeit der Verdauung und damit die Anzahl der
täglichen Fütterungen beeinflußt ist die Konsistenz des Futters. Wird dieses in den ersten
Lebenstagen ziemlich dünnflüssig gefüttert, sollte es mit dem Älterwerden der Jungtiere auch
dickflüssiger werden. Dadurch wird die Zeit zwischen den einzelnen Fütterungen, aufgrund
der längeren Verdauungszeit, vergrößert.
 
Im Laufe der ersten Lebenswoche kann man die Fütterungen auf 6 bis 8 pro Tag reduzieren.
Im Alter von 14 Tagen reichen 4 bis 5 Fütterungen täglich aus. Drei Wochen alte Küken
benötigen nur noch 3 bis 4 Fütterungen am Tag und 4 Wochen alte Jungtiere kommen mit drei
Fütterungen täglich aus. Diese drei täglichen Fütterungen sollte man bis zum Zeitpunkt der
vollständigen Befiederung der Tier beibehalten. Sobald die Vögel in den Absetzkäfig gebracht
werden kann man sie nur noch zweimal morgen und abends füttern parallel dazu sollte aber
das erste Futter dargereicht werden, daß die Jungvögel zunächst spielerisch später dann gezielt
aufnehmen. Hat man dieses Stadium erreicht läßt man die morgentliche Fütterung mit der
Futterspritze weg und gibt stattdessen frisches Keimfutter und Obst, über das sich die
Jungtiere dann stets schnell hermachen. Abends wird weiterhin die sogennannte
„Überlebensration“ gegeben. Diese kann auch weiterhin gegeben werden. In den meisten
Fällen wehren sich die Jungtiere von selbst, wenn dieses Zusatzfutter nicht mehr notwendig
ist. Dann kann es selbstverständlich auch abgesetzt werden.
 
Futtermenge und Fassungsvermögen des Kropfes
Die Handaufzucht eines Papageis sollte immer auch mit der Erfassung von Daten
einhergehen. So empfiehlt es sich auf jeden Fall das Jungtier täglich zu wiegen. Die
gewonnenen Daten sollte man sich auf jeden Fall aufnotieren , am besten gleich in eine
entsprechende Tabelle wie sie im Anhang aufgeführt ist.
 
Gesunde Küken nehmen täglich an Gewicht zu so daß man Unpäßlichkeiten des Küken auch
an einer veränderten täglichen Zuwachsrate ersehen kann. Am besten wiegt man den
Jungvogel immer zum gleichen Zeitpunkt, damit die gewonnenen werte auch eine
Vergleichswert haben. In der Regel bietet sich dies morgens vor der ersten Fütterung an, da
das Tier über nach den Kropf vollständig geleert hat, spielt die Kropffüllung bei der Messung
keine Rolle.
 
Um die richtige Futtermenge für ein Jungtier zu bestimmen muß man auch auf die durch den
Wiegevorgang gewonnenen Daten zurückgreifen. Pro Fütterung sollte man ca. 10% des
Körpergewichtes in ml Futtermenge geben. Damit überstrapaziert man den Kropf nicht und
die Küken sind in der Regel satt. Eine Gabe über 12 % des Körpergewichtes kann man schon
als Überfütterung bezeichnen. In der Folge übergeben sich die Küken oftmals nach der
Fütterung.
 
Beispiel: Wiegt eine junge Gelbwangenamazone (Amazona a. autumnalis) 235 g, so liegt man
bei der Fütterung von 23 bis 25 ml Futterbrei im richtigen Rahmen.
 
Handling der Küken
Bei der Handaufzucht von Papageien sollte man darauf achten, daß man möglichst immer
mindestens zwei Jungtiere gleichzeitig aufzieht, um eine totale Fehlprägung auf den
Menschen wie sie bei einzeln aufgezogenen Tieren vorkommen kann, zu vermeiden.
 
Beabsichtigt man die aufgezogenen Papageien als zahme Hausgenossen zu halten, sollte man
sich in der Aufzuchtsphase auch über die Fütterungsdauer hinaus Zeit nehmen und sich mit
den Tieren beschäftigen, mit Ihnen zu sprechen, damit sie die menschliche Stimme
kennenlernen und sie zu kraulen, damit sie den „sozialen Kontakt“ haben. Die Jungvögel
werden sich dann eng an die Menschen anschließen, da sie in der kindlichen Prägungsphase
eben den Menschen als Sozialpartner kennenlernen.
 
Vermeidet man aber die vorher beschriebenen Sozialkontakte und beschränkt die
Begegnungen mit den Küken nur auf die Fütterungszeiten, bleiben diese relativ scheu. Und
die Prägung geschieht eher auf die Nestgeschwister als auf den Menschen.
Auf jeden Fall muß der Umgang mit den Küken immer behutsam und ruhig vonstatten gehen.
Die Alltagshektik sollte man vor dem Betreten des Aufzuchtraumes abstreifen.
 
Bevor man die Küken in die Hand nimmt ist immer eine gründliche Reinigung der Hände, am
besten eine Desinfektion anzuraten, damit man die Jungvögel nicht unnötig mit an den
Händen eventuell haftenden Krankheitskeimen belastet.
 
Wenn die Aufzuchtbox zu klein wird
Sobald die Jungtiere das Gefieder bekommen ist der Zeitpunkt erreicht, bei dem die Tiere der
schützenden Wärmebox entnehmen kann. Durch das Gefieder funktioniert die
Thermoregulierung des Vogels so gut, daß normale Zimmertemperatur ausreichend ist. Man
setzt die noch flugunfähigen Tiere am besten in eine große Plastikkiste oder -wanne mit
entsprechender Einstreu. Hier haben sie dann ein wenig mehr Bewegungsspielraum und
können ungestört ihre Flugmuskulatur trainieren, indem sie heftige Flugbewegungen ausüben,
aber noch nicht abheben.
 
Der richtige Zeitpunkt die Vögel in einen Absetzkäfig aus Gitter zu setzten ist dann
gekommen, wenn sie öfters auf den Rand der Kiste hochgeklettert sind, dort Flugübungen
machen und von dort auch zu ersten Rundflügen losstarten. Da man die Jungtiere nicht den
ganzen Tag unter Aufsicht hat ist es ratsam diese in Absetzkäfige oder –Volieren zu setzten.
Diese Behältnisse sind mit vielen Sitzmöglichkeiten und mehreren Futter- und Wasserstellen
ausgestattet. Entscheidet man sich für einen Käfig, sollte man den Jungtieren mindestens
einmal besser zweimal täglich die Möglichkeit bieten ihre Flügel zu trainieren und das Fliegen
zu erlernen. In einer entsprechend großen Voliere kann der Vogel den ganzen Tag trainieren.
 
Entwöhnung der Jungvögel
Die Entwöhnungsphase ist für Vögel wie auch für den Halter eine Zeit besonderer nervlicher
Anspannung. Die Jungtiere betteln und haben Hunger bekommen aber nur noch einmal am
Tag und zwar abends ihre „Überlebensration“. In einer Gruppe von mehreren Tieren
animieren sich die Tiere gegenseitig Futter aufzunehmen. Bei der Entwöhnung eines
einzelnen Tieres ist das Ganze schon problematischer, da der gegenseitige Ansporn fehlt.
Nehmen die Tiere das erste Futter auf, heißt das noch nicht, daß sie von nun an kein
Handaufzuchtfutter mehr benötigen. Erst wenn die Futteraufnahme gezielt geschieht und
Mengenmäßig der eines Altvogels entspricht, außerdem die Aufnahme von
Handaufzuchtfutter verweigert wird, kann man von einem entwöhnten Jungvogel sprechen.
 
Tipp: Hat man ein älteres Tier, am besten einen Jungvogel des letzten Jahres, zur Verfügung,
kann diesen als „Lehrer“ zu den zu entwöhnenden Jungtieren dazusetzen. Die Jungvögel
lernen so von ihrem Vorbild sehr schnell, wie sie das Futter aufzunehmen haben. Steht ein
solcher „Lehrer“ nicht zur Verfügung, ist es ratsam die Jungtiere im Blickkontakt zu den
Elterntieren oder anderen Papageien unterzubringen. Die Jungen beobachten das Verhalten
der Alttiere ganz genau. Auch so kann eine raschere Futteraufnahme gewährleistet werden.
 
Futter nach der Entwöhnung
In der Entwöhnungsphase lernen die Jungtiere das Futter aufzunehmen. Da dies vor allem
gequollene oder gekeimte Körner sowie Obst sind, kann man nun nachdem die
Futteraufnahme stabil geworden ist auch erstmals verschiedene Samen in trockener Form
anbieten. Je reichhaltiger die Futterpalette sich darstellt desto besser ernähren wir die
Jungvögel. Gerade junge Tiere haben wenig Scheu neue Futterquellen zu erschließen. So hat
schon mancher Züchter beobachten können, daß sich seine Alttiere, die oftmals noch
Wildfänge waren relativ einseitig ernährt haben, seine Jungtiere fast alle angebotenen
Futtersorten gerne aufnahmen. Dieses Verhalten der Jungtiere sollte man sich zu nutze
machen und sie in der Phase nach der Entwöhnung möglich mit vielen Futtersorten
unterschiedlichstem Obst, Gemüse und Beeren füttern. Denn auch hier zählt das etwas
abgewandelte Sprichwort: Was der Jungvogel nicht lernt, lernt er als alter nicht mehr.
 
Unterbringung nach der Entwöhnung
Sobald die Jungtiere entwöhnt sind, kann man Sie in die für sie vorgesehene große
Flugvoliere setzen, da ihr Flugvermögen dann auch soweit ausgereift ist sich dort auch
zurechtzufinden. Auf keinen Fall sollten die Jungtiere in einem kleinen Käfig sitzen bleiben,
da sie gerade als Jugendliche einen sehr großen Bewegungsdrang haben und diesen nicht im
Kleinkäfig ausleben können, auch sollte man ihnen nicht die Möglichkeit des Fliegens durch
eine enge Haltung beschränken.
 
Abgabe handaufgezogener Papageien
Sobald die Jungvögel völlig entwöhnt sind ist der Zeitpunkt gekommen, an dem man Sie
normalerweise frühestens abgeben sollte. Für die Prägung der Jungtiere wäre es am besten Sie
noch einige Monate im Jungvogelschwarm zu halten, aber finanzzielle Interessen seitens der
Züchter oder Wünsche des Käufers das Jungtiere so früh als möglich zu bekommen stehen
diesen Überlegungen oftmals entgegen.
Eine Abgabe von nicht futterfesten Jungvögel kann nur an Personen ratsam sein, die schon
viel Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt haben. Nicht futterfeste Tiere an
Privatpersonen abzugeben, die bisher keine erfahrungen mit der Handaufzucht von Papageien
haben scheint dem Autor verantwortungslos dem Tier gegenüber zu sein. Es können
Komplikationen auftreten, die der unerfahrene Halter nicht kennt und gerade die
Entwöhnungszeit ist mit die Schwierigste während der Ganzen Handaufzucht.
 
Zukunftsaussichten handaufgezogener Papageien
Der Heimtiermarkt hat sich bei den Papageien in den letzten Jahren immer weiter weg von
Wildfängen hin zu gezüchteten Papageien und hier vor allem zu den Handaufzuchten hin
entwickelt. Diese Tendenz ist grundsätzlich positiv, den durch jede verkaufte Nachzucht wird
damit der Verkauf von Wildfängen zurückgetrieben.
 
Wenn ein Privatmann/frau in einem Zoogeschäft die Auswahl zwischen einem vom Verhalten
her wilden und dazu auch noch der Natur entnommenen Papageien un deinem zahmen auf die
Hand kommenden nachgezüchteten Papagei hat, wird sich der Käufer in den allermeisten
Fällen für diese Handaufzucht entscheiden.
 
Handaufzuchten sind grundsätzlich besser an die Bedingungen in Menschenobhut angepaßt:
1. Sie kennen nicht den Unterschied zwischen Freiheit und Gefangenschaft
2. Sie kennen die Menschen von der ersten Lebensstunde an und reagieren auf dessen
Anwesenheit nicht scheu
3. Sie haben den Menschen nur positiv erlebt (er bringt ihnen Futter)
 
Es gibt viele Äußerungen und Diskussionen über die Zuchtfähigkeit handaufgezogener
Papageien. Dazu muß man eindeutig feststellen, daß in einer Gruppe aufgezogene
handaufgezogene Papageien durchaus fähig sind selbst dem normalen Brutgeschäft
nachzugehen und auch Jungtiere erfolgreich aufzuziehen.
 
Papageien die einzeln und isoliert, ohne jeglichen Kontakt zu Artgenossen aufgezogen wurden
erwiesen sich oftmals als nicht zuchttauglich, da ihre Prägung auf den Menschen einfach zu
stark ist und Artgenossen nicht als solche erkannt werden. Bei einer isolierten Handaufzucht
eines Papageis sollte man deshalb diesen sobald als möglich zu Artgenossen bringen, damit er
deren Verhaltensrepertoire erlernen kann und sich später nicht als „Mensch fühlt“ sondern als
Vogel.
 
Probleme während der Handaufzucht
Immer wieder können während der Handaufzucht von Papageien Probleme entstehen, sei dies
beim unerfahrenen oder auch beim erfahrenen Züchter der die Handaufzucht von Papageien
betreibt. In den folgenden Kapiteln sollen die am häufigsten aufgetretenen Probleme während
der Handaufzucht kurz beschrieben werden.
 
Zwangsfütterungen
Es kann sein, daß Jungvögel die Aufnahme von Futter verweigern. Zunächst sollte man
ausschließen, daß das Futter zu kalt oder zu heiß ist. Ist danach immer noch eine
Futterverweigerung zu beobachten, sollte man eine Zwangsfütterung ins Auge fassen, damit
ein Jungvogel nicht zu viel an Gewicht abnimmt.
Für eine Zwangsfütterung benötigt man eine Kropfsonde, die durch die Schnabelöffnung in
den Kropf eingeführt wird, und durch die die notwendige Futtermenge für das Tier
hineingepumpt werden kann, ohne daß der Vogel einen aktiven Schluckvorgang leisten muß.
 
Luftröhrenfütterung
Führt man eine Kropfsonde in die Luftröhre anstatt in den Kropf und drückt man das Futter
durch die anhängende Futterspritze ab, so pumpt man das futter innerhalb weniger Sekunden
in die Atmungsorgane und der Vogel erstickt sehr schnell. War es nur ein kleiner Spritzer von
Futter und man merkt das Versehen sofort kann man durch hochmassieren an der Luftröhre
den Vogel noch retten. Er Vogel kann kleine Mengen eventuell auch heraushusten.
 
Schnabeldefekte
Schnabeldefekte, wie ein krummer Oberschnabel der nach links oder rechts gebogen ist kann
man durch manuellen Druck in die gewünschte Richtung vor und nach jeder Fütterung wieder
beheben. Mann muß nur so früh als möglich, am besten sofort nach erkennen des Defektes
Therapie beginnen. Es gibt erbliche als auch durch falsche Fütterung bedingte krumme
Oberschnäbel, man sollte auf jeden Fall eine Therapie beginnen. Denn ist ein Oberschnabel
erst einmal verhärtet, kann man so gut wie nichts mehr machen und das Tier hat diesen
krummen Schnabel sein Leben lang. Dadurch passiert es oft, daß auch der Unterschnabel in
eine falsche Richtung wächst, der Schnabel sich nicht mehr natürlich abwetzt und regelmäßig
geschnitten werden muß, um eine normale Nahrungsaufnahme zu gewährleisten.
 
Toe-Syndrome
Unter Toe-Syndrom versteht man die Verdickung einzelner Zehenglieder, bzw. einzelner
Zehen unter Einschnürung an der Gelenkstellen. Eine Ursache dieses Syndroms kennt man bis
heute noch nicht. Beonders häufig tritt es bei Aras und Edelpapageien auf. Die Behandlung
kann durch einen erfahrenen Tierarzt erfolgen, der an den betroffenen Zehengliedern
Entlastungsschnitte setzt. Man hat beobachtet, daß das Toe-Syndrom bei einer
Luftfeuchtigkeit in der Aufzuchtbox, die über 40% liegt nicht auftritt. Ein auftreten des
Syndroms durch zu niedere Luftfeuchtigkeit ist damit aber noch nicht bewiesen.
 
Streßstreifen im Gefieder
Sreßstreifen, auch Mangelstreifen genannt, treten im Gefieder bei Jungvögel auf und
kennzeichen eine Mangelsituation während der Aufzuchtphase. Dies kann eine
Krankheitsphase oder ein Futtermangel während der Entwicklung sein, die sich dann in dieses
Mangelstreifen im Gefieder niederschlägt. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, daß der Mangel
während des Betrachtes noch besteht. Nach der nächsten Mauser sind solche Hungerstreifen
bei einer abwechslungsreichen Ernährung vollständig verschwunden.
 
Futter wird nicht mehr verdaut
Eines der häufigsten Probleme während der Handaufzucht ist das Nichtverdauen des Futters.
Der Kropf leert sich nicht in der normlerweise üblichen Zeit. Um den Verdauungsvorgang
wieder in Gang zu setzen darf man auf keinen Fall einfach weiters Futter zufüttern, sondern
sollte etwas Kümmeltee, der verdauungsfördernd wirkt geben. Man dünnt das alte, im Kropf
vorhandene Futter damit auf, und bringt die Verdauung damit wieder in Gang. Man sollte die
Kümmelteegaben so lange fortsetzen bis der Kropf ganz geleert ist und erst dann wieder
„normales“ Aufzuchtfutter geben.
 
Überfüllung des Kropfes
Durch eine Überfüllung des Kropfes, z. B. bei einer Fütterung über 15% des Körpergewichtes
oder der Fütterung eines Kükens ohne Maßangabe solange das Küken bettelt, kann die
Perestaltik des Kropfes, die diesen alle paar Sekunden überzieht aussetzen und der Kropf
erschlaft. Dadurch kann sich der Kropf nicht mehr leeren. Mit Hilfe von vorsichtigen
Kropfmassagen kann man dieses Problem in Griff bekommen.
 
Verstopfung
Wenn die Küken keinen Kot mehr absetzen, am besten sieht man das, wenn man sie einzeln in
einer Schüssel auf saugfähigem Küchenpapier hält, und zwischen zwei Fütterungen dieses
Papier keine Kotspuren zeigt. Oftmals erkennt man das Problem der Verstopfung auch daran,
daß die Küken mit ihrem Hinterteil wackeln, man sieht wie sie sich anstrengen und drücken
und dann wieder ohne Kot abgesetzt zu haben zusammensinken. Abhilfe für dieses Problem
kann man durch leichte Massagen der Kloakengegend und warme (nicht heiße) Bäder des
Bauches verschaffen. Dadurch erweitert sich die Kloakenmuskulatur und oftmals kommt
schon während eines solchen Bades der Kot raketenartig aus der Kloake geschossen.
 
Verbrannter Kropf
Ein verbrannter Kropf entsteht durch die Fütterung von zu heißem Futter. Meistens wurde das
Futter mit einem Mikrowellenherd erwärmt und vor der Fütterung nicht richtig umgerührt und
die Tempertur überprüft. Ein Mikrowellenherd kann das Futter punktuell sehr stark erhitzen
(hot spots) und ist deshalb nur sehr bedingt für die Futterzubereitung geeignet.
 
Das heiße Futter verursacht im Kropf des Vogels Verbrennungen, die je nach Menge des
heißen Futters kleinere oder größere Teile der Zellen absterben lassen. Zunächst werden
solche Stellen von außen her sichtbar weiß, danach verkrustet die abgestorbene Haut schwarz.
Je nach Alter und Befiederungszustand der Küken, erkennt man solch abgestorbene
Hautpartien am Kropf früher oder später. Spätestens, wenn sich die Kruste beginnt abzulösen
und der Futterbrei aus dem Kropf heraustritt erkennt man die Situation des defekten Kropfes.
 
Abhilfe kann hier nur ein erfahrener Tierarzt schaffen, der unter Vollnarkose die
abgestorbenen Kropfteile entfernt und dann die übriggebliebene Kropfhaut zusammennäht.
Schwierig wird die Situation nur, wenn mehr als 50 % des Kropfes verbrannt ist. Nach der
Operation ist darauf zu achten, daß der Vogelpatient nurmehr kleine Futterportionen bekommt
und daß der übriggebliebene Kropf kein so großes Fassungsvermögen mehr hat. Mit der Zeit
dehnt sich aber der behandelte Kropf wieder etwas.
 
Rachitis
Besonders Jungtiere in der Entwicklungsphase können an Rachitis erkranken. Die Knochen
erreichen während der Entwicklung und des Wachstums nicht ihre endgültige Festigkeit,
sondern bleiben weich verkrümmen oder können auch leicht brechen, da es zu einer
mangelhaften Einlagerung von Mineralien kommt. Dies kann Folgende Ursachen haben:
 
Mangel an Vitamin D3, welches zur Aufnahme von Mineralstoffen aus dem Darmkanal
notwendig ist. Um aus der Vorstufe des Vitamins (Provitamin D3) Vitamin D herstellen zu
können, braucht der Organismus Sonnenlicht, so daß häufig Tiere aus reiner Innenhaltung
betroffen sind. Auch eine ausschließliche Fütterung von Körnerfutter kann durch Mangel an
Provitamin D3 zu Rachitis führen.
Mangel an Kalzium und Phosphor im Futter oder aber falsches Verhältnis der beiden
Mineralstoffe. Ein Verhältnis Ca:P. von 2:1 wäre ideal.
 
Behandlung: ausreichend vitamin- und mineralstoffreiche Fütterung sowie die Bestrahlung
mit Sonnenlicht oder UV-Strahlen-Lampen.
 
Karteikarte für Jungvogel
Jeder Vogel der in einer Zuchtanlage geboren wird sollte bei gewissenhafter Buchführung eine
Karteikarte erhalten. Welches Erfassungssystem man dazu wählt, bleibt jedem Züchter selbst
überlassen. Ob ein herkömmlicher Karteikasten mit Karteikarten oder die Erfassung der Daten
mit Hilfe eines Computers.
 
Auf jeden Fall sollte man folgende Daten sammeln:

Grunddaten:

  • Artnamen
  • Name des Vogels
  • Ringnummer/Chipnummer
  • Abstammung Vater
  • Abstammung Mutter
  • Geburtsdatum

Weiterführende Daten:

  • Medizinische Behandlungen (wann?, was?, durch wen?)
  • Volierenbesetzung (wo war der Vogel wann und mit wem zusammen untergebracht?)
  • Verpaarung (mit welchem Partnervogel)
  • Brutaktivitäten (wann wurden welche Eier gelegt, Junge erbrütet und aufgezogen oder in
  • Handaufzucht genommen)
  • Bemerkungen (alle weiteren Ereignisse)

Durch eine solche Datensammlung die allerdings regelmäßig geführt und aktualisiert werden muß, kann man gut den Lebenslauf eines Vogels dokumentieren und er gibt dem Halter
oftmals Hinweise auf vergangene Ereignisse und Probleme die oftmals schon lange vergessen
worden wären, wenn sie nicht aufnotiert worden wären.
 

Schlußworte
Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig einen Einblick in die faszinierende und vielfältige Welt
der Handaufzucht der Papageien geben. Ich hoffe sie können den einen oder anderen Hinweis
für Ihre eigene Zucht verwenden und damit das Leben so manchen jungen Papageis retten!

 

 Dipl.-Biologe Matthias Reinschmidt, Curator Loro Parque, Teneriffa
(Erstveröffentlichung 2003)