Dr. Matthias Reinschmidt

Papageien, Tiere und ein Biologe

  
Alternative Aufzucht
In der Papageienzucht ist grundsätzlich eine Aufzucht durch die Elterntiere anzustreben, da dies den natürlichen Bedingungen am nächsten kommt. Es passiert aber immer wieder, dass – je nach Spezies – das Weibchen oder beide Alttiere das Gelege nicht richtig bebrüten oder frisch geschlüpfte Nestlinge nicht oder nur unzureichend gefüttert werden. Um den Nachwuchs zu retten, gibt es für den Züchter unterschiedliche Möglichkeiten einzugreifen. Zum einen können die Eier künstlich erbrütet und die Jungen von Hand aufgezogen werden, zum anderen können die Eier oder die frisch geschlüpften Jungen Ammenvögeln untergelegt werden. Ich möchte beide Methoden etwas näher beleuchten und die Erfahrungen darstellen, die wir im Loro Parque gesammelt haben.
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Auffangnetze
Es kommt immer wieder einmal vor, dass junge, unerfahrene Papageienweibchen ihre ersten Eier nicht wie erwartet in eine Nisthöhle legen, sondern sie vom Sitzast fallen lassen. Die Eier sind dann meist zerstört und können nicht mehr ausgebrütet werden. Dieses Fehlverhalten tritt oft nur einmalig auf, und die folgenden Gelege werden dann „ordnungsgemäß“ in der Nisthöhle bebrütet. Deshalb ist in solchen Fällen kaum Handlungsbedarf vorhanden.
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Außenfütterung
Die Volieren in der Zuchtstation der Loro Parque Fundación sind so ausgerüstet, dass man die täglich zweimalige Fütterung von außen vornehmen kann. Diese Fütterungsweise hat sich seit Jahren bewährt. Gerade während der Fortpflanzungsperiode ist es sehr wichtig, die Papageien so wenig wie möglich zu stören. Dies betrifft nicht nur den Besucherverkehr in einer Zuchtanlage, sondern auch die täglichen Routinearbeiten. Deshalb sind alle Volieren des „Loro-Parque-Fundación“- Zuchtzentrums so ausgerüstet, dass die Pfleger zur Fütterung die Gehege nicht betreten und auch nicht hineingreifen müssen.
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Beschädigte Eier
Immer wieder kommt es vor, dass Papageieneier bei der Ablage oder während der Bebrütung beschädigt werden. Je nach Grad der Beschädigung lohnt sich auf jeden Fall der Versuch, ein solches Ei zu reparieren. Sind neben der Eischale auch die inneren Eihäute verletzt, und zwar derart, dass sogar Eiweiß ausgetreten ist, sind die Beschädigungen zu groß, um erfolgreich behoben werden zu können. In leichteren Fällen sollte man jedoch nichts unversucht lassen, um das Ei bzw. den sich entwickelnden Embryo zu retten.
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Sicherer Transport
Will man Eier dem Nistkasten entnehmen, um sie künstlich zu bebrüten – sei es, weil ein Weibchen nicht brütet, die Elterntiere die Eier zerstören oder man sich durch die Wegnahme des ersten Geleges ein Nachgelege erhofft –, gilt es einiges zu beachten. Als Erstes sind Vorkehrungen zu treffen, um das sichere Überführen der Eier in den Inkubator zu gewährleisten, denn nichts ist schlimmer und ärgerlicher als ein durch eine Spontanaktion oder durch Unachtsamkeit beschädigtes oder gar zerstörtes Ei. In der Regel befinden sich die Bruthöhlen der Papageien nicht in der Nähe des Raumes, in dem der Inkubator aufgestellt ist, so dass eine größere räumliche Distanz überbrückt werden muss. Deshalb sucht man sich zunächst ein Transportgefäß.
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Einstreu
Bei der Handaufzucht von Papageien ist es erforderlich, für Fütterung und Unterbringung der Nestlinge Utensilien zu benutzen, die leicht gereinigt werden können. So haben sich für die Haltung der Küken Plastikschüsseln beziehungsweise Futternäpfe verschiedener Größen, die in den Inkubator gestellt werden, bestens bewährt. Wie sieht nun die Ausstattung solcher Schüsseln aus, was ist am besten geeignet?
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Honkong
Mit langsamen Fügelschlägen kommt der Vogel, den ich zunächst für eine weiße Möwe halte, immer näher auf mich zu. Aber nein, eine Möwe kann es nicht sein, dazu ist die Frequenz der Flügelschläge zu gering, außerdem sprechen auch die Gleitphasen zwischen den Flügelschlägen dagegen. Ich stehe hier auf der Plattform eines etwa 35 Meter hohen Aussichtsturms inmitten des Hongkongparks im heute unter chinesischer Verwaltung stehenden Stadtstaat Hongkong.
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Kaktussittiche
Der Kaktussittich (Aratinga cactorum) gehört in Europa zu den sehr selten gehaltenen Keilschwanzsitticharten. Sein Verbreitungsgebiet liegt in Nordost-Brasilien, wo er in zwei Unterarten vorkommt. Da Brasilien schon vor Jahrzehnten ein Ausfuhrverbot für Wildvögel erlassen hat, gelangte diese Papageienart auch nicht mehr in den Handel. Nach wie vor ist der Kaktussittich in freier Wildbahn sehr häufig anzutreffen.
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Kurzschwanz-papagei
Der Kurzschwanzpapagei (Graydidascalus brachyurus) gehört in Menschenobhut zu den großen Raritäten. Die Zucht ist zwar schon das eine oder andere Mal geglückt, aber noch nicht ausführlich beschrieben worden. Das Verbreitungsgebiet dieser Spezies liegt im Amazonasbecken und erstreckt sich vom östlichen Pará und Amapá, Brasilien, westwärts bis nach Südost-Kolumbien, Ost-Ekuador und Nordost-Peru. Die Tiere leben in den Regenwäldern der tropischen Zone bis in Höhen von 400 m ü. NN.
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Morotai-Gelbmantellori
Der Morotai-Gelbmantellori (Lorius garrulus morotaianus) ist eine der drei Unterarten des Gelbmantelloris (Lorius garrulus). Er lebt auf der Insel Morotai, die eine Ausdehnung von 1.800 qkm hat, sowie auf der wesentlich kleineren Nachbarinsel Rau. Beide liegen im Norden der indonesischen Molukken-Inseln, einem Archipel, der 999 größere und kleinere Inseln umfasst und sich beiderseits des Äquators erstreckt. Der Status des Gelbmantelloris, der in Anhang B des Washingtoner Artenschutzübereinkommens geführt wird, gilt als „vulnerable“ (verwundbar). Während der Bestand der Nominatform mit 31.220 bis 220.009 Individuen und der des Prachtgelbmantelloris (L. garrulus flavopalliatus) mit 11.292 bis 48.411 angegeben wird, sollen vom Morotai- Gelbmantellori nur noch 3.848 bis 27.120 Tiere im Freiland leben (Collar 1997).
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Morsches Holz
Eine der wichtigsten Aufgaben einer tiergerechten Papageienhaltung ist eine artgerechte Beschäftigung der Vögel. Ein Hauptmerkmal der Papageien ist der gebogene Schnabel, der sich sehr gut dazu eignet, Gegenstände festzuhalten oder zu benagen. Die meisten Papageienarten sind mit einem mehr oder minder starken Nagetrieb ausgestattet, so dass man diesem Verhalten auch in Menschenobhut gerecht werden muss. Im Loro Parque werden den Vögeln Stücke alter Baumstämme, die teilweise schon morsch sind, angeboten. Mit Hilfe langer Nägel oder Schrauben wird an dem Holz eine 50 bis 100 cm lange Metallkette befestigt und diese so an der Volierendecke eingehakt, dass das Holz frei schwingen kann.
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Nistkasten
Unter Papageienzüchtern wird immer wieder die Frage diskutiert: Welche Einstreu bringe ich in die Bruthöhlen ein? Um zu verstehen, wie wichtig die Wahl des richtigen Materials ist, sollten wir zunächst einen Blick in die Natur werfen. Als Nistmöglichkeiten stehen den Papageien dort in erster Linie Baumhöhlen zur Verfügung. Diese sind meist in morschen Abschnitten des Baums und werden durch intensive Nagetätigkeit der Papageien, die durch ihren starken Schnabel für diese Aufgabe geradezu prädestiniert sind, weiter bearbeitet. Oft werden die Höhlen in Stämmen oder dicken Ästen wochenlang von beidenPartnern eines Paares benagt und auf das benötigte Maß erweitert. Anfallende Holzstücke werden, um Platz zu schaffen, meist aus der Höhle transportiert, auf dem Höhlenboden befindet sich jedoch immer eine Schicht lockeren Materials, das aus Holzstücken besteht und durch Zerbeißen weiter zerkleinert wird.
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Pflanzstreifen
Wenn man eine Papageienanlage neu plant und ausreichend Platz im Garten zur Verfügung steht, empfiehlt es sich, zwischen den einzelnen Gehegen Pflanzstreifen vorzusehen. In der Zuchtanlage der Loro Parque Fundación wurden diese Pflanzstreifen zwischen allen Gehegen, die bis auf den Boden reichen, angelegt. Alle diese Volieren stehen einzeln, die Längsseiten benachbarter Gehege haben einen 80 cm breiten Abstand zueinander. Jeweils 15 cm entfallen auf die beiden Fundamente der Volieren, der restliche Streifen von 50 cm ist mit Muttererde gefüllt. Verschiedene Pflanzen wurden hier gesetzt, die mittlerweile zu einer grünen Wand herangewachsen sind.
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Schönsittich
Der Schönsittich (Neophema pulchella) gehört in den Volieren der Papageien und Sittichliebhaber zum alltäglichen Bild. Schon im Jahre 1788 entdeckt, wurde er 1792 von G. Shaw wissenschaftlich beschrieben und gelangte alsbald in den internationalen Vogelhandel. Somit ist es nicht verwunderlich, dass auch seine Erstzucht, die 1852 im zoologischen Garten von London gelang, schon über 150 Jahre zurückliegt. Seither hat sich der Schönsittich fest in Menschenobhut etabliert, und von vielen Züchtern wurden stabile Zuchtstämme aufgebaut.
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Kakadus
Speziell Kakadu-Männchen sind dafür bekannt, dass sie während der Brutzeit oft ihre Weibchen verletzen oder sogar töten. Als Auslöser für diese Verhaltensweisen werden viele unterschiedliche Theorien diskutiert, die am häufigsten genannte ist ein Aggressionsstau beim Männchen. Die Kakadus besetzen im Freiland Territorien, die gegenüber Eindringlingen verteidigt werden. Diese fehlen in Menschenobhut, so dass sich die Aggression letztlich gegen die Partnerin richtet. Da das Weibchen im Gehege nicht ausweichen kann, kommt es häufig zu schwerwiegenden Verletzungen. Üblicherweise sind Volieren, um den Tieren die Möglichkeit zum Fliegen zu geben, rechteckig angelegt, einen bis zwei Meter breit und einige Meter lang. Diese Bauweise bietet den Tieren aber kaum Möglichkeiten, sich vor dem Partner zurückzuziehen und ihm „aus den Augen“ zu gehen. Ein Männchen, dessen Aggressionen sich stark aufgestaut haben, wird das Weibchen in einer solchen Voliere so lange jagen, bis es die Partnerin erwischt, und weil es sie ständig sieht, wird das die Aggression immer mehr steigern.
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Riedels Edelpapagei
Der Edelpapagei (Eclectus roratus) ist eine Spezies mit ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus, von der zehn Unterarten beschrieben wurden. Eine der am seltensten in Menschenobhut gepflegten ist der Riedels Edelpapagei (Eclectus roratus riedeli). Er lebt auf den Tanimbar- Inseln in Indonesien. Mit 33 cm Körperlänge sind die Riedels Edelpapageien die kleinsten Vertreter ihrer Art. Im Vergleich zu anderen, in Volierenhaltung bekannteren Subspezies ist der Größenunterschied deutlich. Die Weibchen sind rot gefärbt, besitzen gelbe Unterschwanzdecken und ein bis zu 35 mm breites gelbes Band an der Spitze der Schwanzfedern, welches auch bei den Männchen zu sehen ist. Hier ist es aber nur bis 25 mm breit. Ansonsten sind die Männchen grün mit roten Körperseiten und roten Unterflügeldecken. Sie haben wie die Weibchen dunkelblaue Handschwingen.
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Granada-Amazone
Die Granada-Amazone (Amazona rhodocorytha) ist eine der am stärksten bedrohten Festlandamazonen. Sie kommt lediglich noch in einigen atlantischen Wäldern Ost-Brasiliens in Bahia und Espírito Santo vor, wo weniger als zehn Prozent des ursprünglichen Habitats erhalten geblieben sind. In Alagoas, ihrem nördlichsten Verbreitungsareal, ist die Situation weitaus dramatischer, da hier nur noch etwa zwei Prozent des natürlichen Lebensraums existieren. Der Bestand der Granada-Amazone wurde nach BirdLife International im Jahr 2004 im Freiland auf 845 Individuen geschätzt; allerdings mit abnehmender Tendenz. Die Zerstörung der Landschaft hat so weit um sich gegriffen, dass der ursprüngliche Lebensraum fragmentiert ist und die einzelnen Populationen der Amazone keine Verbindung mehr zueinander haben. Dies kann wegen des fehlenden Genaustauschs langfristig für ihren Fortbestand problematisch werden.
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Verpaarung
Bei einer Zusammenführung von zwei Papageien, sei es, um ein Paar für eine spätere Zucht zu etablieren oder um einem einzeln gehaltenen Tier Gesellschaft zu bieten, gibt es Einiges zu beachten. Je jünger die zur Verpaarung vorgesehenen Tiere sind, desto besser sind die Erfolgsaussichten. Jungvögel sind in der Regel weniger aggressiv, und territoriale Auseinandersetzungen sind kaum zu erwarten, da sie noch kein Revier zu verteidigen haben. Sind die vorgesehenen Papageien allerdings schon geschlechtsreif, kann man bei einer Neuverpaarung das große (eher seltene) Glück haben, dass sich die beiden Tiere auf Anhieb vertragen. Man kann aber auch Pech haben, und die Vögel greifen sich sofort nach dem Zusammenbringen heftig an. Da sie sich dabei ernsthaft verletzten können, ist eine Trennung meist unumgänglich.
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